Dienen
Wenn sich das Thema Dienen vornimmt, dann bieten sich folgende zwei Zitate an, um den Begriffsraum zu öffnen:
Alterius non sit qui suus esse potest.*
Paracelsus
Ich will nur jemand folgen
allen außer mir
ich bin zutiefst gehorsam
ich kann nichts dafür
ich will nur jemand dienen
der mich brauchen kann
ich bin der geborene zweite Mann
Heinz Rudolf Kunze
Das erste Zitat kann richtig als Aufruf zu Individuation gedeutet werden oder falsch als Aufforderung zu Individualität und Egoismus.
Das zweite ist zunächst eindeutig: Hier spricht jemand vom Wunsch ein treuer Diener zu sein. Im weiteren Liedtext wird eine Reihe “geborener zweiter Männer” genannt: Paulus, Sancho Pansa, Mephisto und Mohammed. Damit wird es wieder etwas unschärfer: Die Grenze zwischen Diesseits und Jenseits ist aufgelöst.
Wenn wir die Möglichkeiten ordnen, erkennen wir: Ein Mensch kann
-
nicht dienen,
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einem anderen Menschen dienen,
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einem jenseitigen Wesen dienen,
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einer Idee dienen oder
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Gott dienen.
Unsere Zeit neigt dazu, (um Werbe-Begriffe wie Style, “nur für mich” usf.) Individualität und Egoismus zu verwirklichen: Selbstgefälligkeit und eigener Vorteil sind die Ikonen auf den Altären des Heute.
Das “einem anderen” oder “einer Idee dienen” ist nicht mehr sehr verbreitet. Nur noch ein paar “Kauze und Sonderlinge” leisten sich dieses “depressive Vergnügen.”
Und fast ganz von der Agenda verschwunden ist es, Gott zu dienen.
Dabei ist - in einer gefallenen Welt das die einzige Chance: Gott zu dienen, im “Werde, der Du bist”. Das Geschöpf zu sein, zu dem Dich Gott gemacht hat** (und nicht das, zu dem der Demiurg verzerrt hat).
In einer fragmentierten Welt wird dieses “Gott-dienen” auch ein “Jenseitigen-Wesen-dienen” sein. Denn die Fragmentierung kann nur in der Engelskaskade, im vielschichtigen Kollektiv aufgelöst werden. Ohne diese Verbindung weiß man gar nicht, was Gott will.
Derzeit kann man beobachten, daß Rückkehrerinnen und Rückkehrer ihre (bisher unvollständigen) Individuation(en) durchlaufen und abschließen: Die Erdlinge und die anderen mit der Kollektivseele verbundenen Anteile werden vollendet.
Dann findet die ganze Seele aus der irdischen Gefangenschaft und aus der niederen Sphären demiurgischer Existenz heraus und kommt zurück zu Gott.
Wenn ihr zu den neuen Erleuchteten gehört, solltet ihr Euch dies schnell klar machen. Ihr seid nicht da, um das Wahnsystem der anderen (”die Normalität”) auf Euch anzuwenden und ihr seid auch nicht da, um dieses Wahnsystem auf andere anzuwenden (Ihr seid keine Erlöser, keine Heiligen, nicht einmal Heiler.).
Die Freiheitsgrade im Irdischen werden sehr gering, wenn ihr zurückkehrt zu Gott. Aber ihr habt da keine Wahl - es ist ein Entweder-Oder: Geht eure eigenen Wege, denn die eigenen Wege hat Gott in Eure Landkarte eingetragen. Wer sein Selbst (und nicht sein Ego) wahr macht, dient Gott.
(Ob ihr im Selbst oder im Ego seid, merkt ihr schnell: Im Selbst zu leben ist schwierig und anstrengend. Im Ego hingegen reiht sich irdischer Vorteil an irdischen Vorteil.)
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