Urknall und Erbsünde

Wenn wir die Vorstellung verwenden, daß aus einer Welt außerhalb unseres Vorstellungsvermögens eine Welt innerhalb unseres Vorstellungsvermögens geschaffen wurde – und daß diese falsch oder fehlerhaft ist (gemessen an einem höheren Bewertungssystem), dann können wir zunächst von einer Ist-/Sollabweichung sprechen.

Wenn wir den Begriff der Erbsünde außerhalb eines moralischen Kontextes verwenden, dann ist die Erbsünde – neutral formuliert – eine in der Vergangenheit entstandene und noch existierende Ist-/Sollabweichung.
Wenn schon die Absicht, die zu Urknall und Schöpfung führte – gemessen am höheren Bewertungssystem – vom Soll abweichend ist, dann sind Urknall, Schöpfung und Erbsünde identisch.

Das – ist etwas formal ausgedrückt und weit gegriffen – die Sichtweise der Katharer, die Sichtweise verschiedener gnostischer Lehrer – und auch die Sichtweise mancher christlicher und urchristlicher Vertreter.

Dummerweise kümmert sich heute niemand mehr um die Verankerung unseres großen Koordinatensystems: Wir haben den Überblick verloren – und versuchen nur noch – innerhalb enger Koordinaten immer schneller, immer mehr, immer billiger, immer … zu sein.

Mit zunehmender Blindheit fürs Ganze geht das immer schneller immer mehr schief.

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